Mit Respekt!

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Sexualisierte Übergriffe im Sport: Bei uns doch nicht! Oder etwa doch?

„Bei uns doch nicht!?“ – das war lange Zeit die übliche Reaktion, wenn das Thema „sexualisierte Übergriffe im Sport“ angesprochen wurde. Diejenigen, die sich damit befassten, hatten mit Schwierigkeiten und Widerständen zu kämpfen, weil ihnen vorgeworfen wurde, den Sport zu beschmutzen und schlechtzureden. Dabei ist erwiesen, dass kein gesellschaftlicher Bereich von dieser Form der Gewalt verschont bleibt – auch nicht der organisierte Sport. Jüngste Berichte über einen einst hochdekorierten österreichischen Sportler bestätigen, wir dürfen nicht mehr wegsehen.

Wir alle schätzen die besondere Atmosphäre im Sport, die freundschaftlichen Körperkontakte, die durch Umarmungen geteilte Freude über einen Erfolg, das gegenseitige Aufmuntern durch Berührungen. Wir wissen auch, dass gerade diese Faktoren sich positiv auf die psycho-soziale Entwicklung junger Menschen auswirken.

Aber leider wissen auch potentielle TäterInnen um die besonderen Faktoren im organisierten Sport und nutzen sie aus. Je leichter der Zugang zu einem Feld ist, das nicht sensibilisiert ist oder welches das Thema sogar leugnet, desto eher kann dies ausgenutzt werden. Wie man aus TäterInnenbefragungen weiß, suchen diese vornehmlich Opfer, jedoch keine Gegner – also will der ASVÖ Bedingungen schaffen, die den Mitgliedern Schutz bieten und den TrainerInnen Handlungssicherheit geben. Die Zeit dafür ist günstig.

Aktionsplan der EU und Pilotprojekt „Mit Respekt!“ im ASVÖ

Die EU hat in den vergangenen Jahren verstärkt Initiativen zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt im Sport gestartet. In Österreich wurden hierzu 2015 im Auftrag des Sportministeriums vom Verein „100% Sport“ entsprechende Arbeitsgruppen eingerichtet. Auch EntscheidungsträgerInnen des ASVÖ sind darin vertreten. 2015 haben zudem hohe VertreterInnen aus Politik und Sport ein Positionspapier gegen sexualisierte Gewalt im Sport unterzeichnet.

Diese Vorbereitungen haben im ASVÖ zum Projekt „Mit Respekt!“ geführt, in dem gezielt Maßnahmen gegen sexualisierte Übergriffe im Sport ergriffen werden. Damit kommt dem ASVÖ die Rolle eines Piloten zu, dessen Erfahrungen für alle nutzbar sind. Wir sehen es als Pflicht und große Chance an, alles in unserer Möglichkeit stehende zu tun, um unsere Vereine, unsere Mitglieder und vor allem auch unsere TrainerInnen zu schützen und ihnen Informationen zur Prävention vor sexualisierten Übergriffen sowie Maßnahmen bei Verdachtsfällen in die Hand zu geben.

Bereits im Vorfeld des Projektes wurden 2015 – im Rahmen der 3. Frauensport-Enquete des ASVÖ – erste Vorschläge für Umsetzungsschritte gesammelt. Ein wesentlicher Wunsch war bereits damals die Erstellung von Informationsmaterialien. In weiterer Folge fand ein reger Austausch mit ExpertInnen aus Österreich und Deutschland statt. Die Ergebnisse der ExpertInnenbefragung wurden bei der Gendertagung 2017 im Haus des Sports präsentiert.

Nahezu alle ExpertInnen berichten, dass bei der Bearbeitung dieses Themas mit Abwehr und Leugnung zu rechnen ist. Andererseits wird betont, dass es trotz aller Widerstände unabdingbar ist, dass der organisierte Sport sich dieser Herausforderung stellt.

Handreichung-fuer-Respekt-und-SicherheitEin wesentliches Ziel des Projektes ist die Information und Sensibilisierung möglichst vieler Ebenen im ASVÖ. Unter maßgeblicher Beteiligung des ASVÖ, vertreten durch Barbara Kolb und Christina Steininger, wurden seitens der nationalen Arbeitsgruppe umfangreiche Informationsmaterialien für die Verbands- und Vereinsarbeit erstellt. Die Broschüre „Für Respekt und Sicherheit“ sowie weitere Materialien zum Thema stehen digital auf der Website von 100% Sport zum Download bereit: www.100sport.at/de/fuer-respekt-und-sicherheit

2017 soll das Thema Schritt für Schritt weiter in die Vereine des ASVÖ getragen werden. Dem Präsidium des ASVÖ wurde im Vorfeld ein entsprechendes Konzept zur Implementierung vorgelegt. Geplant ist, in eintägigen Workshops in Modellvereinen für das Thema zu sensibilisieren und Handlungshilfen zu geben. Die Entwicklung einer Aufmerksamkeitskultur und die Qualifikation von MitarbeiterInnen und TrainerInnen sollen helfen, TäterInnen den Zugang zum Feld zu erschweren. Wie die aktuelle Studie zu Safe Sport (2016) belegt, ist „in Vereinen mit einer klar kommunizierten Kultur des Hinsehens und der Beteiligung das Risiko für alle Formen sexualisierter Gewalt signifikant geringer“.

Ein weiteres Ziel ist es, Ansprech- und Vertrauenspersonen auf Verbands- und Vereinsebene zu finden, die sich freiwillig melden und sich für diese Aufgabe geeignet fühlen. Für Herbst ist eine dachverbandsübergreifende Schulung von InteressentInnen geplant, die von ExpertInnen der Deutschen Sporthochschule Köln geleitet wird.

Die im Projekt gewonnenen Ergebnisse sollen mittelfristig in ein allgemeines Leitbild oder einen Ethikkodex des ASVÖ einfließen, der die Sicherheit des Sporttreibens, einen wert-schätzenden Umgang miteinander und Gewaltfreiheit deklariert.

Kontaktdaten: christina.steininger@asvoe.at

Für Respekt und Sicherheit

MultiplikatorInnen-Workshop (ASVÖ & Sportunion) mit Gitta Axmann und Meike Schröer
6 – 8. Oktober 2017, Salzburg

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