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Gleichstellung im Sport: Fortschritte sichtbar machen, Verantwortung weitertragen

11. Februar 2026

Wenn sich die Sportwelt zu einem der größten internationalen Ereignisse versammelt, richtet sich der Blick nicht nur auf Medaillen und Rekorde. Auch gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich im Sport wider – etwa im Bemühen um mehr Chancengleichheit und Sichtbarkeit für Frauen. Rund um die XXV. Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina werden genau diese Themen besonders deutlich.

Schon Tage vor der offiziellen Eröffnung erreichen erste positive Nachrichten die Redaktionen. Die neue Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kirsty Coventry, spricht von den »geschlechtergerechtesten Spielen der Geschichte«. 2.900 Aktive aus 92 Nationen treten in 116 Bewerben an. 47 Prozent davon sind Frauen, im rot-weiß-roten Team liegt der Frauenanteil bei 45,2 Prozent.

Ein starkes Signal für den internationalen Sport – und ein klares Zeichen, dass sich konsequente Weiterentwicklung lohnt.

Sport als Vorreiter für Gleichstellung

Im ASVÖ wird diese Entwicklung ausdrücklich begrüßt. „Ja, da kann man die Fünf auch einmal gerade sein lassen“, so Präsident Peter Reichl. „Der Sport soll auch bei diesem Thema vorangehen und Flagge zeigen.

Tatsächlich zeigt sich im organisierten Sport vielfach, wie Gleichstellung aktiv gelebt werden kann: durch faire Rahmenbedingungen, Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder und konsequente Nachwuchsarbeit. Der Sport schafft Räume, in denen Leistung, Teamgeist und Engagement zählen – unabhängig vom Geschlecht.

Gesellschaftliche Realität bleibt herausfordernd

Gleichzeitig darf der Blick über den sportlichen Tellerrand nicht fehlen. Wie Präsident Reichl betont, zeigt sich gesamtgesellschaftlich weiterhin Handlungsbedarf – etwa beim Thema Einkommensgerechtigkeit. Stichwort Equal Pay Day: Frauen verdienen nach wie vor durchschnittlich 11,5 Prozent weniger als Männer.

ASVÖ-Generalsekretär Wilhelm Blecha weist zudem auf einen weiteren zentralen Punkt hin: „Nach wie vor wird die sogenannte Care-Arbeit – angefangen von Kinderbetreuung über Haushalt bis hin zur Pflege – überwiegend, nämlich zu über 80 Prozent, von Frauen geleistet – und das unbezahlt. Wie soll sich daneben noch Sport ausgehen oder gar eine zusätzliche ehrenamtliche Tätigkeit? Wie bitte soll das gehen?

Gerade im Vereinswesen wird deutlich, wie sehr Engagement und Ehrenamt vom zeitlichen Spielraum der Menschen abhängen. Wer einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit übernimmt, hat weniger Ressourcen für sportliche Aktivitäten oder Funktionärstätigkeiten.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Die Entwicklungen im internationalen Spitzensport zeigen, dass Fortschritte möglich sind. Gleichzeitig bleibt Gleichstellung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch im Breiten- und Vereinssport. Der ASVÖ steht für Fairness, Vielfalt und Chancengleichheit. Diese Werte gelten auf und neben dem Spielfeld gleichermaßen.

Es braucht Rahmenbedingungen, die es allen Menschen ermöglichen, Sport auszuüben und sich ehrenamtlich zu engagieren – unabhängig von Geschlecht oder Lebenssituation. Der organisierte Sport kann hier Impulse setzen und Vorbild sein, indem er Teilhabe fördert, Strukturen weiterentwickelt und Bewusstsein schafft.

Denn echte Gleichstellung bedeutet nicht nur Zahlen und Quoten, sondern gleiche Möglichkeiten für alle, sich im Sport zu entfalten und Gemeinschaft zu erleben.

© GEPA